Wir sind BSW
Es ist eine dieser Aktionen, die zeigen, wie Politik Menschen tatsächlich erreichen kann. Innerhalb weniger Stunden entwickelt sich im Mai eine Tankstelle im oberbayerischen Fuchstal zum Schauplatz eines regelrechten Ausnahmezustands. Kilometerlange Autoschlangen, Menschen aus der ganzen Region, Polizeieinsätze zur Verkehrslenkung und bundesweite Schlagzeilen in Bild, Abendzeitung, Augsburger Allgemeine, Tagesspiegel und zahlreichen weiteren Medien.
Der Grund dafür: Der Liter Super kostet plötzlich nur noch 1,62 Euro, Diesel nur wenige Cent mehr.
Hinter der ungewöhnlichen Aktion steht ein BSW-Mitglied aus Bayern: Manfred Seel.
Der Kommunalpolitiker aus Nordschwaben wird zum Gesicht der Kampagne „Deckel drauf und Spritpreis runter“ und beweist eindrucksvoll, dass Politik dann Aufmerksamkeit erzeugt, wenn sie die Lebenswirklichkeit der Menschen berührt.
Denn während in Berlin oft für die Bürger unverständlich, über Energiewende, Emissionsziele oder geopolitische Strategien diskutiert wird, erleben Millionen Menschen die Energiepolitik Tag für Tag ganz konkret, an der Zapfsäule, beim Tanken für den Weg zur Arbeit, beim Blick auf die Heizkostenabrechnung oder beim Versuch, den Familienhaushalt zusammenzuhalten.
Genau dort setzt die Aktion an.
Die Idee ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: Nicht über hohe Energiepreise reden – sondern zeigen, dass es auch anders geht.
An der Tankstelle des schwäbischen Energiehändlers wird für einen begrenzten Zeitraum ein deutlich reduzierter Kraftstoffpreis angeboten. Die Aktion macht sichtbar, was viele Menschen längst empfinden: Die Belastung durch hohe Energiepreise ist zu einer sozialen Frage geworden.
Die Resonanz übertrifft alle Erwartungen.
Autos stauen sich kilometerweit. Autofahrer warten geduldig in langen Schlangen. Viele nutzen die Gelegenheit nicht nur zum Tanken, sondern auch zum Gespräch.
Pendler erzählen von täglichen Fahrstrecken, die sie sich kaum noch leisten können. Handwerker berichten von steigenden Betriebskosten. Familien schildern ihre Sorge, wie sie die nächste Heizperiode finanzieren sollen.

Für Manfred Seel ist genau das der eigentliche Erfolg der Aktion. „Die Menschen haben die Nase voll davon, dass alles immer teurer wird – Tanken, Heizen, Strom. Viele Familien, Pendler und Handwerker wissen kaum noch, wie sie das bezahlen sollen. Wir wollten zeigen: Es geht auch anders.“
Die bundesweite Berichterstattung macht deutlich, dass das Thema einen Nerv getroffen hat.
Plötzlich diskutiert nicht nur die Politik über Spritpreise – sondern ganz normale Menschen am Gartenzaun, in Betrieben und an den Tankstellen selbst sind im Gespräch.
Für Seel ist das kein Zufall.
Seit Jahren beschäftigt er sich intensiv mit Fragen der Energieversorgung, der Preisbildung auf den Energiemärkten und den Folgen energiepolitischer Entscheidungen für Verbraucher und Wirtschaft. Der Energieexperte verbindet technisches Verständnis mit kommunalpolitischer Erfahrung und einem feinen Gespür dafür, welche Auswirkungen politische Entscheidungen im Alltag der Menschen tatsächlich haben.
Gerade deshalb spricht er nicht in Fachjargon, sondern in einer Sprache, die verstanden wird. „Die meisten Menschen interessiert nicht, welche ideologische Debatte gerade geführt wird. Sie wollen wissen, warum sie für den gleichen Weg zur Arbeit plötzlich doppelt so viel bezahlen müssen wie noch vor wenigen Jahren. Sie erwarten Lösungen und keine Belehrungen.“
Die Tankstellenaktion ist deshalb weit mehr als ein gelungener PR-Coup.
Sie ist ein Beispiel dafür, wie politische Botschaften konkret und erfahrbar werden können.
Für Manfred Seel steht fest: Bezahlbare Mobilität ist keine Frage des Lebensstils, sondern Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe.
Wer im ländlichen Raum lebt, wer im Schichtdienst arbeitet, Angehörige pflegt oder als Handwerker täglich unterwegs ist, kann nicht einfach auf das Auto verzichten. „Mobilität darf kein Luxus werden. Wer soziale Politik ernst meint, muss dafür sorgen, dass Menschen zur Arbeit kommen, ihre Familien versorgen und ihre Wohnungen heizen können, ohne ständig Angst vor der nächsten Rechnung zu haben.“
Die Energiefrage ist für ihn deshalb eine der entscheidenden sozialen Fragen unserer Zeit.
Und vielleicht erklärt genau das den Erfolg der Aktion „Deckel drauf und Spritpreis runter“:
Sie ist keine lähmende und langweilig theoretische Debatte. Sie ist gelebte Politik, Politik, die zuhört. Politik, die anpackt. Und Politik, die zeigt, dass man die Sorgen der Menschen ernst nimmt. Und genau das vermissen die Bürger.
Oder wie viele inzwischen mit einem Augenzwinkern sagen: Manfred Seel – der Mann, der dem Spritpreis den Deckel draufmacht.
Feine politische Antenne: Manfred Seel, Unternehmer mit Herz und Verstand
Manfred, Du bist Unternehmer in Bayern und seit 2024 für das BSW im Gemeinde- und Kreistag aktiv. Was hat Dich zum Bündnis Sahra Wagenknecht geführt?
Manfred Seel: Ich bin seit mehr als 40 Jahren kommunalpolitisch aktiv. Zunächst war ich bei der SPD, unter anderem als Kreisvorsitzender, Ortsvorsitzender und Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat sowie als stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Kreistag. Ab 2005 beziehungsweise 2006 war ich für die Linke im Kreis- und Gemeinderat tätig. Seit Gründung des BSW im Jahr 2024 engagiere ich mich nun dort im Gemeinde- und Kreistag.
Was war ausschlaggebend für Deinen Wechsel zum BSW?
Manfred Seel: Mir sind Geradlinigkeit und Standfestigkeit wichtig. Beim BSW finde ich die Positionen wieder, die mir wichtig sind: Friedenspolitik, soziale Gerechtigkeit und eine ehrliche Migrationspolitik. Menschen, die Hilfe brauchen, müssen Unterstützung erhalten. Gleichzeitig müssen Regeln konsequent durchgesetzt werden.
Was hat Dich Deine Spritpreisaktion eigentlich gekostet?
Manfred Seel: Natürlich war sie mit Kosten verbunden. Ein Teil war Verzicht auf Gewinn, ein anderer Teil wurde aber durch den außergewöhnlich hohen Absatz wieder ausgeglichen. Insgesamt waren es einige Tausend Euro. Die waren es mir aber wert, um auf das Thema aufmerksam zu machen.
Was muss passieren, damit Energie wieder bezahlbar wird?
Manfred Seel: Wir brauchen eine Energiepolitik, die Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Umweltziele miteinander verbindet. Viele Unternehmen leiden unter den hohen Energiekosten. Deshalb müssen wir technologieoffen denken und alle Möglichkeiten sachlich prüfen. Ideologische Festlegungen helfen nicht weiter.
Ich bin oft als Referent in Schwaben und in Bayern unterwegs. Meine Vorträge beginne ich immer mit der wirtschaftlichen Rezession. Den Beginn datiere ich auf den Tag, an dem die damalige Ampel-Regierung mit Wirtschaftsminister Robert Habeck entschieden hat, nicht länger vom günstigsten Energiehändler der Welt Gas und Rohöl zu kaufen. Diese Schein- und Doppelmoral seit diesem Tag ärgert mich immer wieder. Es war eine grandiose Fehlentscheidung, von Russland, dem billigsten Lieferanten, mit dem wir seit Jahrzehnten Verträge hatten, keine Energie mehr beziehen zu wollen.
Machst Du noch mal den Deckel drauf?
Manfred Seel: Nur so viel, wir bereiten weitere Aktionen vor.
Die Fragen stellte Rüdiger Göbel.
Evelin Pohl
„Ohne Mut im Jetzt gibt es keine politische Veränderung.“
Ich bin Jahrgang 1963 und habe mein Leben lang erlebt, dass gesellschaftliche und politische Veränderungen nur dann entstehen, wenn Menschen sich einmischen und Verantwortung übernehmen. Genau dieser Gedanke begleitet mich bis heute – auch in meiner politischen Arbeit.
Ich war gewerkschaftlich engagiert, habe in den 1980er Jahren gegen die Pershing-II-Stationierung protestiert und gegen den § 218. Darüber bin ich zur SPD gekommen, deren Mitglied ich über zwei Jahrzehnte war. Der Bruch mit der Partei kam für mich mit der Agenda-2010-Politik von Gerhard Schröder. Ich konnte das nicht mittragen und habe die Partei verlassen.
Ich habe zwar kurzzeitig mit anderen politischen Angeboten wie der Tierschutzpartei sympathisiert, aber dort fand ich nur einen kleinen Teil meiner Überzeugungen wieder. Erst mit dem Aufkommen des Bündnis Sahra Wagenknecht habe ich wieder eine politische Heimat gefunden, die mich wirklich überzeugt. Seit gut einem Jahr bin ich Mitglied im BSW, nachdem ich die Entwicklung zunächst aufmerksam verfolgt hatte.
Was mich am BSW besonders anspricht, ist die Verbindung von klaren politischen Forderungen im Bereich Bildung und einem konsequenten Eintreten für Frieden und Diplomatie. Bildung war für mich immer ein zentrales Thema – nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch. Ich habe selbst Deutsch und Englisch unterrichtet und mich viele Jahre in der Bildungsarbeit engagiert, unter anderem auch in der ehrenamtlichen Nachhilfe. Für mich ist klar: Bildung ist der Schlüssel zu gesellschaftlicher Teilhabe und Chancengleichheit.
Ebenso wichtig ist mir der Frieden. Als zweifache Mutter und Großmutter macht mir die zunehmende Militarisierung der politischen Debatten große Sorgen. Ich bin überzeugt, dass Konflikte nicht durch Aufrüstung, sondern durch Gespräche, Diplomatie und Abrüstung gelöst werden müssen.
Vor rund siebeneinhalb Jahren bin ich aus Baden-Württemberg nach Mecklenburg-Vorpommern gezogen – mit dem Wunsch, etwas ruhiger zu leben, mich mehr um Tiere und Natur zu kümmern und politisch kürzerzutreten. Doch wie so oft im Leben kam es anders. Ich habe mich hier schnell wieder eingebracht, weil ich offenbar doch nicht der Typ bin, der sich dauerhaft zurückzieht.
In Baden-Württemberg habe ich unter anderem im Tierschutz gearbeitet und die Tiertafel in Albstadt mit aufgebaut. Später war ich in verschiedenen Bildungseinrichtungen tätig und habe viel ehrenamtlich unterstützt. Heute engagiere ich mich weiterhin im Tierschutz und in Umweltfragen – Themen, die mir bis heute sehr am Herzen liegen.
In Mecklenburg-Vorpommern habe ich mir ein neues Zuhause aufgebaut. Meine beiden Kinder und meine beiden Enkelkinder sind inzwischen ebenfalls hierher in den Norden gezogen. Diese familiäre Nähe bedeutet mir viel.
Beruflich bin ich derzeit vielseitig eingebunden und arbeite im Büro in einer Funktion, in der ich vieles gleichzeitig organisiere und begleite. Parallel dazu bin ich als Schöffin am Amtsgericht Güstrow tätig und leite zudem eine Schiedsstelle. Diese Aufgaben geben mir einen tiefen Einblick in gesellschaftliche Realitäten und in das, was Menschen im Alltag bewegt.
Meine Herkunft aus dem Westen und meine familiären Wurzeln im Osten – mein Vater ist vor dem Bau der Mauer aus der DDR in den Westen gegangen – haben mir früh gezeigt, wie unterschiedlich Lebenswirklichkeiten sein können und wie wichtig es ist, miteinander im Gespräch zu bleiben. Ich erlebe die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern als direkt, ehrlich und unverstellt. Das schätze ich sehr.
Auch im politischen Alltag hier vor Ort ist mir der Dialog wichtig. Ich halte nichts davon, Menschen pauschal auszugrenzen. Für mich gibt es die „Brandmauer“ im persönlichen Gespräch nicht. Viele Menschen, die sich enttäuscht oder wütend von der Politik abgewandt haben, suchen schlicht nach Gehör. Wenn wir ihnen keine Angebote machen, überlassen wir sie anderen Kräften. Für mich sind das Nachbarn und teilweise Kollegen, mit denen ich versuche, ganz normal im Gespräch zu bleiben. Das sind keine Nazis, sondern diese Menschen sind enttäuscht. Die sind wütend, die sind frustriert. Viele von denen haben mir tatsächlich schon gesagt: Du, pass auf, ich bin froh, dass ihr als BSW jetzt hier seid. Jetzt haben wir eine echte Alternative und müssen nicht die AfD wählen.
Ich bekomme sehr viele positive Reaktionen, wenn ich sage, dass ich beim BSW bin. Gerade deshalb ist mir wichtig, dass politische Arbeit nicht belehrt, sondern zuhört und überzeugt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen offen sind für neue Wege – wenn man ihnen ernsthaft begegnet.
Mein politisches Ziel bleibt dabei klar: eine Politik, die Bildung stärkt, soziale Gerechtigkeit ermöglicht und den Frieden in den Mittelpunkt stellt. Dafür stehe ich – mit Erfahrung, mit Überzeugung und mit der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

(Fotos dieser Seite: Seel Mineralöle | privat)
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